Neulich hat uns folgende Nachricht aus Deutschland von meiner Mama erreicht: „Ganz liebe Grüße und „Durchhalten“ beim Kilometerfressen auf den endlos langen Straßen!“ Eine wirklich treffende Beschreibung. Wir fressen km – jeden Tag – und das ist mitunter ganz schön öde. 110km/h, die Straße geht stur geradeaus, kein Radioempfang. Nicht umsonst stehen am Straßenrand große Schilder mit dem freundlichen Hinweis: „Don‘t drive tired“. Leichter gesagt als getan … Jan reaktiviert gerade neben mir unserem Deezer Account. Erste Maßnahme für mehr Unterhaltung im Auto. Aber zum Glück führt jede auch noch so öde Straße uns an irgendein Ziel. Z.B. nach Shark Bay – where the locals are friendly (nicht nur die Haie, sondern auch das Emu).

Das behauptet zu mindest das Schild am Ortseingang. Von unserer Unterkunft bekommen wir eine Flasche eisgekühlten Sekt zur Begrüßung: Happy honeymoon! Den Sekt genehmigen wir uns noch am gleichen Abend bei einem Bilderbuch-Sonnenuntergang. Eigentlich freuen wir uns jeden Tag – aber wir finden, ein Jahr Hochzeitsreise ist nichts Selbtverständliches. Darauf dürfen wir anstoßen!

Die Shark Bay ist auch der Eingang in ein Weltkulturerbe, auf das die Australier hier zurecht stolz sind: den François Perón Nationalpark. Wir verbringen einen ganzen Tag mit dem Jeep auf den sandigen Straßen und lernen viel. Unter anderem wirklich hilfreiche Tipps zum Off-road fahren von unserem Guide.

In der Nacht träumen wir beide vom perfekten Luftdruck und Reifenwechseln im Sand. Der Tag hat offensichtlich Eindruck hinterlassen bei uns. Aber auch die Landschaft. Tief roter Sand trifft auf schneeweißen Strand und der auf türkis blaues Wasser. Als hätte Jemand mit dem Lineal eine klare Grenze zwischen den unterschiedlichen Zonen gezogen.

Ebenfalls Eindruck hinterlassen haben die Fliegen bei uns. Innerhalb von Sekunden belagern diese uns, sobald wir den Jeep verlassen. Eine Plage, die sich aktuell hier standhaft hält, aber wohl auch gängig ist zu dieser Jahreszeit. Das ist uns relativ egal, denn die Fliegen machen nur eins: sie nerven!! Also dekorieren wir uns mit hübschen Insektennetzen. So bleibt wenigstens der Kopf geschützt.

Am nächsten Tag beschließen wir spontan, uns den Nationalpark noch einmal aus der Luft anzuschauen. Da spontane Ideen ja meistens die Besten sind, werden wir nicht enttäuscht.

Mit „Shark Bay Aviaton“ fühlen wir uns deutlich sicherer als mit „Buddha Air“ in Nepal. Dabei sitzen wir nur in einer Mikro-Cessna mit 4 Sitzplätzen.

Die Stunde scenic flight vergeht wie im Flug. Und es ist ein bisschen so wie bei den Kängurus mit den Fotos. Wir machen seeeeehr viele. Aber die Landschaft ist einfach zu bizarr, um sie nicht festzuhalten.

Und – wie der Name „Shark Bay“ vermuten lässt, sehen wir natürlich auch die vielen kleinen Haie, die sich im Wasser tummeln. Zum Glück aus sicherem Abstand von guten 150m Höhe.

Von den Haien ganz unbeeindruckt leben quasi direkt um die Ecke in Monkey Mia diese Delphine. In unserem Eco-Resort lernen wir viele spannende Fakten über die intelligenten Lebewesen. Unser absolutes Highlight jedoch, dass „Dolphin Feeding“. Jeden Morgen kommen die Delphine an den Stand um die neugierigen Besucher zu begrüßen und sich einen kleinen Snack abzuholen. Der bestand übrigens wirklich nur aus einem Fisch pro Delphin. Und ein Delphin frisst ca. 12kg am Tag! Das hat einen guten Grund: viele Delphine jagen nicht mehr eigenständig, wenn sie sich auf das Futter der Menschen verlassen können und vergessen damit, ihre Jungtiere zu füttern. „We killed them with kindness“ erkältet die Tierpflegerin am Strand … auch mit nur einem Fisch sind die Tiere nicht weniger beeindruckend, finden wir.

Die Tierwelt hier in Australien muss sich hinter der Landschaft jedoch keinesfalls verstecken. Wir Schnorcheln ein paar Tage später am Ningaloo Reef und sehen eines der buntesten und intaktesten Riffe auf unserer Reise bis jetzt. Und das in einer unglaublichen Größe! Die Welt unter Wasser ist wundervoll. Und vor allem eins – fliegenfrei.

Die Kirsche auf der Sahnetorte ist für uns beide aber die Möglichkeit, mit Mata Rochen zu schwimmen. Wir zögern nicht lange und sagen: ja! Dafür nehmen wir gerne in Kauf, dass das Wasser hier ein paar Grad kälter ist, als auf Lombok und den Gili Inseln. Aber wofür gibt es Neos? Ein „Spotter plane“ beobachtet die Manta Rochen aus der Luft und navigiert unser Boot sicher in Ihre Nähe. Dann geht alles ganz schnell. Mit den Flossen im Wasser und den Schnorcheln im
Mund warten wir bereits am Hecks des Bootes. Unser Guide gleitet lautlos in‘s Wasser und lokalisiert „unseren“ Manta Rochen. Dann heißt es „Go! Go! Go!“. Unser Kommando und wir folgen ihm. Kaum sind unsere Masken im Wasser – und der Blick nach unten frei – sehen wir ihn. Den Manta Rochen mit einer Spannweite von 4m.

Im Abstand von einer Körperlänge schwimmen wir mit ihm für mehrere Minuten und vergessen alles um uns herum. Mit majestätischer Eleganz nimmt uns der Manta Rochen mit auf eine Runde in seinem zu Hause – dem Ningaloo Reef. Plötzlich hat er keine Lust mehr und beschleunigt (auf bis zu 50 km/h wenn es sein muss). Keine Chance für uns, ihm zu folgen.

Zum ersten Mal strecken wir unsere Köpfe aus dem Wasser und stellen fest, dass wir komplett die Orientierung verloren haben. Aus diesem Grund trägt wohl unser Guide eine knall gelbe Rettungsboje bei sich. Unser Boot findet uns also problemlos wieder. Mit einem richtig breiten Grinsen klettern wir zurück an Bord. Wir haben großes Glück und erleben dieses Spektakel gleich 3 mal an diesem Tag.

Total geflasht sitzen wir an Bord und genießen im Schaukeln der Wellen einen Sandwich. Das wir mächtig Hunger haben, haben wir total ausgeblendet vor lauter Freude und Aufregung.

Bevor wir uns den Manta Rochen nähern durften, testet der Tourenanbieter übrigens bei 2 Probe-Schnorchelgängen den sicheren Umgang mit Finnen, Maske und Co sowie unsere körperliche Fitness. Alles kein Problem für uns. Wir haben dieses Jahr ja zum Glück schon einige Tage im Wasser verbracht. Viel aufregender für uns, sind die Tiere, die es sich im Ningaloo Reef gemütlich machen. Schildkröten und tausende bunte Fische – kein Problem.

Riffhaie … und obwohl ein paar Meter unter uns mindestens so groß wie wir: äääähmmm … Problem!

Natürlich nur für mich und unter Wasser kann ich noch nichtmal sprechen. Dafür aber – wie ich später erfahre – Jans Hand so feste drücken, dass es blaue Flecken gibt. Also: ruhig bleiben und vor allem weiter atmen. Eine gute Übung zur Selbstbeherrschung! Immerhin – erfolgreich bestanden. Wer zu den Manta Rochen will, muss halt erst an den Haien vorbei. Bei so viel Aufregung freuen uns doch schon wieder auf unsere nächste öde Autofahrt! Vielleicht sollten wir aber auch bei „Shark Bay Aviation“ anheuern. Jan macht sich auch hier gut am Steuer.

Greta // während einem zauberhaften Sonnenuntergang am Ningaloo Reef // 30. Mai 2019