7 Wochen Australien liegen nun hinter uns. Eine lange Zeit, aber doch viel zu wenig für ein Land wie Australien. Wir haben in dieser Zeit gerade mal zwei von sieben Provinzen bereisen können: Western Australia und Northern Territory. Hierfür haben für über 100h in unserem Auto und mehr als 8000km auf der Strasse verbracht.

Der rückblickend schönste Teil der Strecke war die Gibb River Road. Schön für uns, weniger schön für unser Auto. Das wurde auf den unsealed roads so richtig auf den Prüfstand gestellt … und hat den Test leider nicht zu 100% bestanden. Teile unserer Unterbodenverkleidung haben sich auf den teilweise wirklich abenteuerlich ausgewaschenen Off-road-Pisten gelöst und liegen nun irgendwo auf der Gibb River Road. Keine Seltenheit übrigens. Wir haben viele Reisende kennengelernt, die gleich beide Ihrer Ersatzreifen benötigt haben. Lucky us, dass wir nur einen Ersatzreifen an Bord hatten und diesen nicht gebraucht haben.

Aber die Landschaften, die wir so zu Gesicht bekommen haben, sind definitiv einen Teil der Unterbodenverkleidung wert …

Auf unserem Weg haben wir übrigens viele interessante Menschen kennengelernt, die uns gleich am liebsten mit zu sich nach Hause nach Neuseeland oder Australien genommen hätten. Besonders in’s Herz geschlossen haben wir ein australisches Pärchen, das eine ganz ähnliche Route wie wir zurückgelegt hat: Deb (67) und Doug (71). Wer jetzt vom Alter ableitet, dass die beiden langweilig und gemütlich sein könnten, der liegt falsch. Auf Deb und Dougs Veranda (oder auch mal in Ihrem Zimmer, wenn es keine Veranda gab), gab es verlässlich jeden Abend eiskaltes Bier oder ein Fläschchen “Champage” für uns.

Herrlich, Abends in ein Camp einzufahren und freudestrahlend von Deb mit den Worten: “Guess what? We did a cruise today and I won a bottle of champagne” begrüßt zu werden. “Come on over – we have to have it together”. Uns hätte es definitiv schlechter treffen können.

Bei diversen kühlen Getränken hatten wir also Zeit genug, um uns von den Abenteuern des Tages zu erholen. Diese waren spektakuläre Landschaften in der Ferne …

… schweißtreibende Wanderungen bei 40 Grad in Canyons …

… und bei genauerem Hinschauen Spuren der Ureinwohner Australiens – den Aborigines.

Unsere abenteuerlichen Tierbegegnungen beschränken sich übrigens glücklicherweise auf Monster-Moskitos, Schlangen, Kröten und Krokodile. Alle aber aus sicherem Abstand. Denn selbst die Kröten sind giftig. Nur die Monster-Moskitos sind uns leider oft zu nahe gekommen.

Ebenfalls interessant: Wenn man an ein australisches Verkehrsschild denkt, ist das erstgenannte meistens dieses hier.

Aber sooo oft, sieht man es eigentlich gar nicht. Viel häufiger ist uns folgendes Verkehrsschild begegnet:

Zum Glück waren wir in der Trockenzeit unterwegs und die Schilder damit nur nettes Beiwerk am Straßenrand. In der Regenzeit wird tatsächlich ein Großteil der Straßen überflutet. Dann bekommen die Straßenschilder eine ganz andere Bedeutung.

Gestern Morgen sind wir in Darwin, dem Ziel unserer Reise angekommen. Begrüßt wurden wir – ohne es zu merken – mit einem Erdbeben der Stärke 7.7! Wir waren zu diesem Zeitpunkt sicher unter der Erde in der Hoteltiefgarage damit beschäftigt, 7 Wochen Roadtrip aus unserem Auto zu entfernen. Tatsächlich haben wir nichts von den Erschütterungen mitbekommen. Zwei Stockwerke über uns sind selbst die Angestellten des Hotels panisch auf die Strasse gerannt. Nun ja – gar nicht so verkehrt, dass wir so viele Sachen aus dem Auto räumen mussten.

Mittlerweile haben wir bereits Australischen Boden verlassen und sitzen im Flieger nach Deutschland. Wir sind nicht nur auf dem Weg zu Family & Friends, sondern eigentlich zu einer Hochzeit in Berlin. Jan ist Trauzeuge. Da sollten wir nicht fehlen … Dass wir aus Australien anreisen, ist nicht der kürzeste Weg. Aber wenn alles klappt sind wir in guten 30h und nach Zwischenlandungen in Singapur und München dann auch irgendwann wieder in Stuttgart. Mit unseren Pässen gehen wir dann von dort aus auf Deutschland Tour. Wir müssen Visa für China und Russland einholen. In beide Länder können wir leider ohne Visum (seeeehr kompliziertes Visum!) nicht einreisen. Um die Hochzeit herum, besuchen wir also auch noch die Botschaften in Frankfurt und Erfurt. Dort geben wir eines der wertvollsten Dinge ab, die gerade mit uns reisen: unsere Pässe. Schon ein komisches Gefühlt. Auf die beiden kleinen roten Büchlein haben wir das letzte halbe Jahr mindestens so gut aufgepasst wie auf uns selber.

Sie sind mit uns durch Südamerika gewandert: durch Argentinien, Chile, Patagonien, Peru und Bolivien. Über Japan haben sie uns nach Nepal, Singapur und Lombok begleitet. Und heute fliegen sie aus Australien mit uns nach Deutschland. Ich glaube, wenige deutsche Pässe haben so viele Wander-km im Rucksack zurückgelegt bzw. so viel Zeit in Höhen bis zu 6000m verbracht. Zum Glück gibt es noch viele freie Seiten in beiden Pässen. Denn auch, wenn bereits ein halbes Jahr Reisen hinter uns liegt – mindestens genau so viel Zeit liegt noch einmal vor uns! LUCKY US!

Greta // im Flieger von Darwin nach Singapur // 25. Juni 201