Willkommen in Russland! Mit gemischten Gefühlen landen wir in Sankt Petersburg. Sind wohl alle Russen so, wie wir sie aus dem Casino in Baden-Baden kennen? Mit Pelz, Plüsch und viel „Pling Pling“? Und trinken sie wirklich so viel Wodka?

Russland ist das erste Land, das wir dieses Jahr bereisen in der wir mit einer große Herausforderung konfrontiert werden: der Sprache. Schnell wird uns klar – das ist eine andere Hausnummer! Wir verstehen nichts, wir können nichts lesen und bis dato sprechen wir leider auch noch kein Russisch.  Na, das kann ja heiter werden. Wird es auch … selbst bei der Kaffeemaschine im Hotel können wir nur rätseln. Die blinkt uns freudig rot an.

Aber ob sie nun frische Bohnen oder Wasser möchte, oder wir den Tresterbehälter leeren sollen, können wir nur raten bzw. einfach ausprobieren. Dank jahrelanger harter Schule mit diversen Büro-Kaffeevollautomaten bekommen wir unseren Kaffee und ein leckeres Frühstück dazu. Mein Highlight: kleine warme Käsekuchen mit Sauerrahm.

Es dauert übrigens keine 24h und wir erhalten schon die erste Einladung zum Wodka in unserem Hotel … Klischee voll bestätigt. Ansonsten sehen wir übrigens viele ganz „normale“ Menschen. Pelz, Plüsch und „Pling Pling“ gibt es natürlich auch – aber nur vereinzelt.

Das mag an den Temperaturen liegen. Bei über 30 Grad erkunden wir Sankt Petersburg zu Fuß. Wir schlendern los und fallen abends nach täglich mindestens 15km Fußmarsch tot müde in‘s Bett. Die Stadt ist unbeschreiblich – schön, prunkvoll und auf eine Art angenehm pulsierend.

Sankt Petersburg wird nicht umsonst als kulturelles Zentrum Russlands bezeichnet. Es wimmelt förmlich von großen Namen, Kunst und Kultur. Einer davon – die Eremitage. Sie beherbergt die namenhafteste Kunstsammlung Russlands.

Die Blutskirche versprüht einen Hauch von 1000 und einer Nacht. Sie ist wirklich so bunt, wie wir sie von Fotos kannten. Trotzdem nochmal auf ein neues beeindruckend, wenn man dann tatsächlich vor Ihr steht.

Von der größten Kathedrale Sankt Petersburgs, der Isaakskathedrale, bewundern wir aus über 100m Höhe die Ausmaße der Stadt. In der Kathedrale finden mehr als 10.000 Menschen Platz. Russisch-orthodoxe Gottesdienste finden nämlich im Stehen statt. In der Kirche gibt es keine Bänke, lernen wir, als wir zufällig in einen Gottesdienst „stolpern“.

Entlang der Newa lassen wir uns durch die Stadt treiben. Natürlich müssen wir in einem der vielen Souvenierläden stoppen und die hübschen Matroschkas bewundern. Schade, dass wir mit begrenztem Gepäck reisen und nichts kaufen können. Die Auswahl ist verführerisch!

Und die Liste ist noch um einige viele Highlights länger! Ihr findet weitere Fotos in unserer Galerie.

Von Sankt Petersburg reisen wir mit dem Zug weiter nach Moskau. Tagsüber mit einem erstaunlich modernen und vor allem sauberen und pünktlichen ICE Verschnitt – dem „Sapsan“.

Völliges Neuland für uns, wenn man an die deutsche Bahn denkt. Einzige Herausforderung: unser Gepäck. Gute 25-30kg pro Person. Die müssen wir eigenständig bis in den Zug wuchten. Das heißt durch Sicherheitsschleusen am Bahnhof, endlose Gleise entlang und viel zu viele Treppenstufen rauf und wieder runter. Russland ist weder Rollstuhl- noch Kinderwagengerecht lernen wir sehr schnell.

Die Hauptstadt Russlands, Moskau, empfängt uns mit seiner vollen Pracht. Über 12 Millionen Menschen leben hier. Genau so riesig fühlt sich die Stadt auch für uns an.

Wir sind wieder viel zu Fuß unterwegs. 15km pro Tag sind wir ja jetzt gewohnt. Dennoch kürzen wir ab und an mit der Metro ab. Ein Erlebnis! Schier endlose Rolltreppen befördern uns unter die Erde und zu Metro-Stationen, die eher an eine prunkvolle Hotel-Lobbys erinnern, als an Bahngleise. Und das alles, super günstig. Für 45 Rubel (entsprechen ca. 75 Cent) pro Fahrt können wir so weit fahren, wie wir möchten.

Bei Nacht zeigt sich Moskau uns übrigens nochmal von seiner ganz schicken Seite. Jans Fotografenherz schlägt bei dieser beeindruckende Kulisse natürlich höher. Mit Stativ und Kamera bewaffnet ziehen wir also im Dunkeln los. Und werden mit diesem Blick belohnt.

Auf das Zentrum Moskaus sind wir besonders gespannt und werden nicht enttäuscht. Der Kreml und der rote Platz sind beeindruckend.

Die Basilius Kathedrale bringt wieder den Hauch von 1000 und einer Nacht, den wir schon in Sankt Petersburg gespürt haben.

Dennoch ist Moskau anders. Irgendwie staatsmännischer und politischer als das kultur-geprägte Sankt Petersburg.

Trotzdem kommen wir uns in Moskau oft vor wie in einem riesigen Freizeit-Park. Zu unwirklich um wahr zu sein – denken wir das ein oder andere Mal. Insbesondere im historischen Kaufhaus GUM am roten Platz. Eine Einkaufswelt auf 75.000 Quadratmetern, die die passende Freizeitpark-Musik zur Kulisse liefert. Natürlich müssen wir ein Eis kaufen und die unglaublichen Schaufenster bestaunen. Window-Shopping deluxe.

Von einem der vielen Touristenboote auf der Moskwa schauen wir uns alles noch einmal vom Wasser aus an. Erklärungen gibt es übrigens nur auf Russisch. Leider haben sich unsere Sprachkenntnisse noch nicht so rasant verbessert, als dass wir folgen könnten.

Bei Borschtsch und Soljanka am Abend finden wir: ja, wir sind in Russland angekommen und schlürfen die leckeren Suppen ganz nach russischer Art.

Für uns geht es nun weiter tief Richtung Osten. Nächster Halt: Ekatarinenburg. Wir sind gespannt auf unsere erste Nacht in der transsibirischen Eisenbahn.

Greta // im Zug von Novosibirsk nach Irkutsk // 05. August 2019