Usbekistan – wer bist Du? Auf diese Frage haben wir noch keine eindeutige Antwort finden können. Usbekistan ist damit das erste Land auf unserer Reise dieses Jahr, was sich nicht richtig greifen lassen will.

Was wissen wir? Usbekistan ist ein Land in Zentralasien. Die ehemalige sowjetische Teilrepublik ist seit 1991 unabhängig. Ein junges Land also. Was erklärt, warum Usbekistan vielleicht selbst noch nicht so recht weiß, was es ist. Die Lage an der berühmten Seidenstraße macht das Land zu einem geschichtsträchtigen Ort. Nur leider haben hier so viele Herrscher und Nationen Geschichte geschrieben, dass Usbekistan eine ganz bunte Mischung aus allem und nichts ist.

Für uns ist es in jedem Fall das erste der Stan-Länder, das wir auf unserer Reise von Moskau nach Peking bereisen. Mit seinen Nachbarn Tadschikistan, Kirgistan, Kasachstan, Turkmenistan und Afganistan gibt es noch viele weitere Ziele. Die beiden letzt genannten werden wir mit Sicherheit (oder gerade wegen ihr) nicht bereisen.

Von Russland aus fliegen wir mit Yakutia Airlines nach Usbekistan. Die Airline wirbt mit konkurrenzlosen Preisen. Konkurrenzlos ist auch das Niveau. Nämlich unterirdisch. Wir waren seit langem nicht mehr so froh, als der Flieger wieder den Boden berührt hat. Willkommen also in Usbekistan!

Wir landen in Tashkent, der Hauptstadt. Die Stadt ist überraschend modern, luftig und voller weißer Prunkbauten. Der ehemalige Präsident hat sich alle Mühe gegeben, nicht in Vergessenheit zu geraten. Und der Neue – seit 2016 an der Macht – steht ihm in Nichts nach. Wie auch alle anderen vorherigen Herrscher, die große Namen tragen wie Alexander der Große, Dschingis Khan und Amir Temur.

Und hier der neue Herrscher… Der Thron passt schonmal wie angegossen. Ob er ähnlich brutal wie viele seiner Vorgänger regieren wird?

Bei guten 40 Grad schleichen wir durch die Stadt, trinken Literweise Wasser und sind scheinbar die Einzigen, die mit der Hitze kämpfen. Wir schlendern jedoch nicht nur von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit, sondern auch von Wechselstube zu Wechselstube. An Geld zu kommen ist nämlich in Usbekistan eine kleine Herausforderung. Landeswährung ist „So‘m“ und diese erhält man ausschließlich im Land, in dem man US Dollar eintauscht. Laut usbekischer Idee an jedem Geldautomaten, in jeder Bank, oder Wechselstube. Aber – egal wo wir hinkommen: die Automaten sind leer, gerade „out of order“, die Wechselstuben haben Mittags- oder sonst irgendeine Pause und die Banken geschlossen. Nun ja – meine Handtasche ist eh schon voll. Klopapier ist hier nämlich Mangelware. Einen Sicherheitsbestand führe ich also gerne mit mir. Gibt es mal ausnahmsweise Klopapier, ähnelt es eher Schleifpapier mit grober Körnung …

Als wir endlich eine Wechselstube finden, reicht uns die Dame unseren 20 US Dollar Schein mit ernster Miene wieder zurück mit der Begründung: der Schein ist nicht 100% neuwertig. Er hat tatsächlich einen mikroskopischen Knick. Nicht ihr Ernst?! Müssen wir jetzt im Hotel auch noch die Dollarscheine bügeln? Zum Glück haben wir in unserem Bestand einen als neuwertig befundenen Dollarschein und werden damit stolze Besitzer von So‘m. Übrigens – sollten wir nicht alle So‘m Scheine im Land ausgeben, Pech gehabt. Rücktausch ausgeschlossen. Na das muss ja eine Währung sein. Wir sind in jedem Fall gleich mal steinreich. Auf den Scheinen stehen viele Nullen.

Besonders beeindruckt uns in Taschkent eine Gedenkstätte für gefallene Soldaten des Landes. In jeder Stadt in Usbekistan gibt es eine so genannte „traurige Mutter“, die bis heute auf die Rückkehr Ihrer Söhne wartet.

Über 2,5 Millionen Usbeken sind im zweiten Weltkrieg gefallen. Schaut Euch mal das Alter der gefallenen Soldaten an. Viele sind nicht älter als 20 Jahre geworden.

Mit dem Zug fahren wir weiter in die nächste Stadt: Buchara. Mit Zugfahrten haben wir ja jetzt Erfahrung. Selten waren wir jedoch so eine Attraktion. Zwei Deutsche in einem voll besitzen usbekischen Zugabteil. Die Usbeken waren im 7. Himmel. Besonders spannend: Jans iPad und all seine bunten Bilder. Er wurde gefeiert wie ein Starfotograf. Falls wir also irgendwann über eine alternative Karriere nachdenken sollten, Angebote in Usbekistan hätten wir.

Buchara empfängt uns wie ein Märchen aus 1000 und einer Nacht. Kleine verwinkelten Gassen, bunte Basare, aber auch Staub und erbarmungslose Hitze.

Wir kämpfen uns durch die Stadt und fühlen uns wie in der Sauna – nur leider mit Klamotten. Die vielen Moscheen und Medrese sind zu beeindruckend, um sie nicht zu erkunden. Hinter vielen Fassade entdecken wir neue ruhige Innenhöfe, in der wir im Schatten der alten Mauern entspannen können.

Unser Guide erzählt uns fleißig über Land und Leute, spricht aber spannenderweise ausnahmslos Jan an. „Jan, weißt Du …“, „Jan guck mal hier …“, „Jan was für ein Auto fährst Du in Deutschland?“. In seinem Weltbild existieren gleichberechtigte und arbeitende Frauen nicht. Die einzigen Fragen, die er mir direkt stellt, sind: „Warum arbeitest Du? Warum hast Du keine Kinder?“. Ok – das wirft ein neues Bild auf das Land. Ganz so modern wie es sich in der Hauptstadt gibt, ist es offensichtlich doch nicht. Ganz im Gegenteil – mit diesem Weltbild weit weit weg davon.

Dennoch genießen wir es, z.B. über den Bazar zu bummeln und nichts kaufen zu müssen. Wir werden freundlich zum Probieren von Nüssen oder Trockenfrüchten animieret, niemand ist aber enttäuscht oder gar böse, wenn wir ablehnen. Kein türkischer Bazar also.

Weiter geht es für uns – natürlich wieder mit dem Zug – nach Samarkand. Was für eine Stadt! Sie ist unser letzter Halt in Usbekistan und ein wirklich krönender Abschluss. Hier finden wir wieder die Magie von 1000 und einer Nacht gepaart mit sowjetischer Vergangenheit. Eine ganz bizarre Mischung.

An Fotomotiven mangelt es nicht. Auf den berühmten Registan Platz haben wir uns sehr gefreut. Gleich drei Medresen stehen sich hier auf ganz engen Raum gegenüber. Leider aktuell verziert mit einer großen Bühne und Scheinwerferanlagen. Die Usbeken feiern hier jedes Jahr ein großes Fest. In diese Vorbereitungen sind wir gelangt. Aber ob nun mit oder ohne Bühne und Scheinwerfer, beeindruckend ist der Registan alle mal.

Morgen überqueren wir die Grenze nach Tadschikistan. Das elektronische Visum haben wir bereits im Gepäck. Dort wollen wir für einige Tage im Fann Gebirge wandern gehen. Jans Geburtstag feiern wir also irgendwo im zentralasiatischen Niemandsland.

Obwohl wir Usbekistan nicht greifen konnten, nehmen wir definitiv den Ex-Sowjet- Zauber des Orients mit in das nächste Land. Ob in Tadschikistan auch an jeder Straßenecke viel zu lauter Balkan-Pop gespielt wird? Ob nachts wohl auch alle Gebäude in Neon-Nationalfarben angestrahlt werden? Und ja – egal ob Sowjet-Bausünde oder uralte Moschee. Und egal ob von innen oder von außen.

Und ob wohl auch alles nach Hammel schmeckt? Wir hoffen nein! Selbst die vegetarische Suppe war hier nämlich bis auf die Gemüseeinlage alles andere als vegetarisch. Natürlich (!) war sie mit Hammel-Sud angesetzt. Natürlich… wie konnten wir auch ein vegetarisches Gericht hier erwarten. Am einfachsten war es daher für uns das usbekische Nationalgericht: Plow, zu essen. Mit Reis kann man nicht viel verkehrt machen.

Und ob es wohl warmes Wasser geben wird? Das war nämlich hier in Samarkand die letzten Tage nicht verfügbar. Kalte Duschen hatten wir in diesem Jahr ja zum Glück schon genügend.

Wir hoffen in jedem Fall auf genau so herzliche Menschen, wie wir sie hier in Usbekistan kennenlernen durften.

Zum Abschluss noch ein Suchbild für Euch. Geschossen vor einer guten Stunde auf der Taxifahrt zurück zum Hotel von meinem Platz auf der Rückbank aus. Was fehlt wohl, wenn man für 15 Min Fahrt nur gute 80 Cent bezahlt?

In diesem Sinne sind wir sehr gespannt auf das nächste der Stan- Länder: Tadschikistan.

Greta // Samarkand // 15. August 2019